Es ist einige Jahre her. Konkret: über 23. Kaum einer kann sich noch genau an ein Ereignis erinnern, das überregionale Bedeutung erlangte – ich schon, denn ich war unmittelbar betroffen. Der Mitschnitt der Sendung (Aktuelle Stunde, WDR), um die es hier geht, ist als Dokument schon deshalb interessant, weil teilweise im Hintergrund Autos auf der Kölner Straße fahren. Ein Zustand, der zwei Jahre später mit der Fertigstellung der neuen Bundesstraße 9 beendet wurde. Die Schaffung der Fußgängerzone, heute „Kö“ genannt, war begleitet von harten politischen Debatten und einer knappen Mehrheitsentscheidung, getragen von SPD und Zentrum. Dies hat freilich mit dem Inhalt des WDR-Beitrages eher wenig zu tun. Denn da geht es um mich, einen gefeuerten Journalisten, der urplötzlich nicht mehr für die Westdeutsche Zeitung (WZ) arbeiten durfte. Weil nämlich CDU-Vertreter nach Düsseldorf gefahren waren und sich dort über die Tatsache beschwerten, dass ich als Mitglied der SPD schon viele Jahre für die WZ arbeitete. Zuletzt als so genannter fester freier Mitarbeiter, zuständig auch für viele Themen rund um den Sport.
Ich hatte nie ein Hehl daraus gemacht, Mitglied der SPD zu sein. Eintritt 1972, zunächst Mitarbeit bei den Jusos, dann auch als sachkundiger Bürger im „Jugendhilfeausschuss“, 1979 erstmals in den Stadtrat eingezogen - als damals jüngstes Ratsmitglied überhaupt. Diese Tätigkeit ist ein Ehrenamt und hat mit dem erlernten Beruf nichts zu tun. Oder muss ich sagen: Sollte mit dem Beruf nichts zu tun haben? Ich wurde im Rahmen eines Volontariats zum Journalisten ausgebildet, habe im Laufe der Jahre für viele lokale, regionale und überregionale Zeitungen, Zeitschriften und Organisationen gearbeitet. Die freie Tätigkeit für die Westdeutsche Zeitung war Anfang der 80er Jahre die Zeit intensivste.
Als eher Auflagen schwache Zeitung im Kreis versuchte die WZ schon damals durch besonders engagierte Arbeit auf sich aufmerksam zu machen. Immer wieder mal schneller zu sein als die Konkurrenz, immer wieder mal eine Geschichte vor den anderen im Blatt zu haben. Wir waren nicht schlecht, mitunter sogar richtig gut. Akzente setzen durch spezielle Schwerpunkte, näher dran sein an den Interessen der Leser, das war unsere Absicht. Da mussten wir nicht unbedingt die Stunden zählen, die für einen Bericht benötigt wurden – auch wenn der „Lohn“ dadurch keineswegs höher ausfiel. Wir zogen uns natürlich auch den Zorn von denjenigen zu, die darauf vertrauen konnten, dass in der im Kreis dominierenden Zeitung bestimmte Themen nicht erscheinen würden – warum auch immer. Das aber ist ein anderes Thema.
Wir mussten (fast) keine Rücksichten nehmen auf Partei gesteuerte Verlegertätigkeit, hatten aber eine journalistische Regel verinnerlicht: die Trennung von Bericht und Meinung. Damit fuhren wir gut, Gegendarstellung war in der Redaktion ein Fremdwort, weil an unseren Berichten selten zu kratzen war. Ich kann mich noch gut erinnern an positive Reaktionen von Kommunalpolitikern aller Couleur, manchmal aber auch an böse Blicke von vermeintlich ungerecht Behandelten – gefangen in der subjektiven Bewertung ihrer eigenen Lebenswelt. Nie im Leben hatte ich freilich damit rechnen können, dass Vertreter der Dormagener CDU nach Düsseldorf fahren, um den WZ-Chefredakteur davon zu überzeugen, dass ich doch wohl als aktiver Sozialdemokrat und Mitarbeiter des Landtagsabgeordneten Heinz Hilgers ungeeignet sei für die Tätigkeit in einer Lokalredaktion.
Federführend war damals Peter-Olaf Hoffmann, der nach fünf Jahren im Landtag NRW nicht wieder gewählt worden war, dem Dormagener Stadtrat aber weiterhin angehörte. Ich will nicht spekulieren über seine Beweggründe, Kopfschütteln („Herr Zenk ist kein Journalist. Herr Zenk ist Politiker.“) löst bei mir aber immer noch der Beitrag der Aktuellen Stunde aus, der mit nur einem Klick auf den unten stehenden Link zu erreichen ist. Die Qualität des Videos hat zwar in den Jahren gelitten, doch als Dokument haben die knapp sechs Minuten sicher den Einzug ins weltweite Netz verdient. So kann man sich durchaus ein interessantes Bild von einem Mann machen, der im Jahre 2009 Bürgermeister von Dormagen werden will. Interessant: WDR-Moderator Rolf Kiefer, der sich in dem Beitrag erstaunlich eindeutig äußert, wurde später ein Sprecher der CDU!
Es gab übrigens nicht nur die Sendung im Rahmen der Aktuellen Stunde. Damals beschäftigte sich ein Kongress über Berufsverbote in Frankfurt mit dem Thema, das Neusser Aktionsbündnis gegen Berufsverbot sammelte Unterschriften, neben der SPD protestierten die Grünen und viele liberal denkenden Menschen lautstark. Und Sozialdemokrat Heinz Hilgers sprach im Radio (WDR 1) am 22. April 1986 über den Vorgang: „Das hat tiefe Verärgerungen bei uns hervorgerufen und diese politische Denunziation zeigt schlechte Charakterzüge von Herrn Hoffmann, die ihn nach Auffassung vieler Fraktionsmitglieder nicht geeignet machen für das Amt des Bürgermeisters.“
Nun, die SPD blieb der 1984 getroffenen Abmachung treu und wählte Hoffmann 1987 doch mit zum (ehrenamtlichen) Bürgermeister. Die bereits arg belastete Zusammenarbeit bröckelte aber angesichts einer für die Schulentwicklung in Dormagen bedeutenden Entscheidung völlig: Die CDU wollte auf keinen Fall die erste Gesamtschule im Kreis Neuss mittragen. Die wurde dann beschlossen, übrigens mit Stimmen von SPD und Zentrum…
2009-07-22