Der Löschzug Gohr aktuell
Der Löschzug Gohr der Freiwilligen Feuerwehr Dormagen hat zurzeit 24 Einsatzkräfte in der „aktiven“ Wehr. Das sind ausgebildete Feuerwehrleute zwischen 18 und 60 Jahren. Eine bunte Truppe aus allen denkbaren Berufsgruppen. Vom Heizungsbauer über Kaufleute und Kommunikationselektroniker bis hin zu Landwirten und Berufsfeuerwehrleuten. Die Vielfalt macht den Erfolg. Oft werden in Einsatzlagen spezielle Kenntnisse benötigt. Einer ist immer dabei, der die Lösung in der Tasche hat.
Weitere zehn Kameraden gehören zur Ehrenabteilung des Löschzuges. Sie haben entweder das 60. Lebensjahr vollendet oder mussten aus gesundheitlichen Gründen ihren aktiven Dienst beenden. Acht weitere Kameraden gehören zur Jugendgruppe und werden dort für den künftigen Einsatzdienst fit gemacht. Bisher sucht man in Gohr vergeblich nach weiblichen Einsatzkräften. Durch das neue Feuerwehrhaus wurde jetzt auch dem Löschzug Gohr die Möglichkeit eröffnet Mädchen und Frauen aufzunehmen.
Der Löschzug wird geleitet von Löschzugführer Stadtbrandinspektor Stefan Kemper und seinen Stellvertretern Brandinspektor Holger Parmentier und Hauptbrandmeister Sascha Birschel. Das primäre Einsatzgebiet sind die beiden Stadtteile Gohr und Broich. Doch nicht nur dort wird der Löschzug eingesetzt. Natürlich werden auch Einsätze im gesamten Dormagener Stadtgebiet abgewickelt. Manchmal fahren die Einsatzkräfte auch zu besonderen, überregional bedeutenden Einsätzen wie Unwetter, Hochwasser, etc.
Gohr befindet sich am westlichen Standrand Dormagens. Auf Grund der geographischen Lage arbeitet der Löschzug Gohr oft und gerne auch mit den Einheiten der umliegenden Feuerwehren zusammen. Nicht selten treffen Gohrer Einsatzkräfte auf Kameraden aus Nettesheim und Widdeshoven (Rommerskirchen), aus Neukirchen (Grevenbroich) oder Rosellen (Neuss). Durch gemeinsame Ausbildungen kennen sich die Feuerwehrleute untereinander und arbeiten reibungslos zusammen.
Im Schnitt rückt der Löschzug Gohr 90 mal im Jahr aus. Hierbei gilt er’s rund 10 Brände und gut 20 Hilfeleistungen zu bewältigen. Den Löwenanteil der Einsätze bilden die rund 60 First-Responder-Einsätze.
Unsere Geschichte
Rheinisch, aber ehrlich – erzählt von Werner Steprath
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Gohr ist wie ein Spiegel der rheinischen Seele. Die Feuerwehr wurde vor 100 Jahren auf Anordnung der preußischen Obrigkeit gegründet. So eindeutig ist das Datum aber gar nicht. Einmal, weil sich die heute gefeierte Gründung hinzog und zum anderen weil die Feuerwehr Gohr eigentlich viel älter ist. Denn davor gab es schon immer oder zumindest schon lange eine Feuerwehr, die beruhte auf Nachbarschaftshilfe und war wohl nur locker organisiert. Durch Zufall haben wir kürzlich ein Gemeinderatsprotokoll vom 29.04.1882 mit dem Titel „Die Verbesserung des Feuerlöschwesens“ gefunden. Die preußische Obrigkeit verstand aber unter einer Feuerwehr etwas ganz anderes als die Rheinländer, nämlich eine militärisch straff organisierte Truppe in Uniform und mit Pickelhaube, die nicht nur übte sonder auch exerzierte. Nur sind das die Dinge, die die meisten Rheinländer so gar nicht lieben. Im November 1906 gab der Oberpräsident der Rheinprovinz ein Muster-Ortsstatut für die Einrichtung des Feuerlöschwesens heraus.
Am 15. Juni 1907 beschloss der Gemeinderat von Gohr untertänigst, diesem Entwurf zu entsprechen. Aber es geschah weiter nichts. Das gab Ärger, die Preußen machten Druck. Am 19. Februar 1908 wählte der Gemeinderat deshalb hastig aus den eigenen Reihen eine Feuerwehrkommission: Adam Inhoffen, Adam Schmitz, Adam von Lennep und als Brandmeister Heinrich Nix, den Gemeindevorsteher. Damit war die freiwillige Feuerwehr gegründet! Oder etwa doch noch nicht so richtig, oder etwa nur pro forma? Am 21. Dezember 1910 bewilligte man sich jedenfalls 300 Mark für die Ausrüstung. Das war wichtig genug um im Volksmund als Gründung der freiwilligen Feuerwehr zu gelten.
1911 hatte Gohr einen Löschzug mit 28 Mitgliedern. Doch die hohe Obrigkeit war noch nicht so recht zufrieden, denn die freiwillige Feuerwehr Gohr war noch nicht offiziell anerkannt. Am 6. Februar 1912 wurde Friedrich Hinsen zum neuen Brandmeister und Wilhelm Lohmann zu seinem Stellvertreter gewählt. Nun waren alle zufrieden und die freiwillige Feuerwehr Gohr wurde endlich im September 1913 vom Kreis anerkannt. Sogar große Dinge ereigneten sich in Gohr: Zur Gründungsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes trafen sich alle Brandmeister des Kreises in Gohr.
Brandmeister Hinsen zeigte den Beitritt der Feuerwehr Gohr zu diesem Verband im Mai 1914 ergebenst an.Friedrich Hinsen und Wilhelm Lohmann führten die Wehr bis zum 2. Weltkrieg. Waren es die Belastungen durch andere Ämter oder die politischen Umstände, die sie dann beide zum Abdanken bewog? Während des 2. Weltkrieges waren Balduin Müsch zum Brandmeister und Wilhelm Schlaf zu seinem Stellvertreter bestimmt. Nach der Beendigung des Krieges kehrten die Mitglieder der Feuerwehr teils erst sehr spät aus der Gefangenschaft zurück. Der erste Brandmeister nach dem Krieg wurde im Jahr 1946 Peter Bach und sein Stellvertreter wurde Wilhelm Stechmann. Die heimkehrenden Feuerwehrkameraden fanden sich aber sehr schnell wieder zusammen. So wurde dann in einer Versammlung der Feuerwehr in der Gaststätte Schmitz 1949 erneut ein Brandmeister gewählt. Willi Weyer wurde Brandmeister und Willi Thiebach sein Stellvertreter.
Der Wiederaufbau der Wehr begann zügig. Junge Kräfte kamen hinzu und wurden herangebildet. Die Ausrüstung bestand aus einer Tragkraftspritze in einem kleinen Anhänger, der an einen privaten Traktor gespannt werden musste. Mitte der 60er kauften wir einen eigenen alten grünen Traktor und lackierten ihn rot wie die Feuerwehr. Ab 1967 gab es dann ein „richtiges“ Feuerwehrauto. 1972 nach Vollendung seines 60. Lebensjahres, schied Willi Weyer satzungsgemäß aus dem aktiven Dienst aus. Karl Heinz Knöchel übernahm die Leitung der Wehr. Willi Thiebach blieb Stellvertreter bis zu seinem Tode im Jahr 1974. Danach übernahm Mathias Esser dieses Amt. Durch die kommunale Neugliederung wurde 1975 aus der freiwilligen Feuerwehr Gohr der Löschzug Gohr der Stadt Dormagen.
Aus gesundheitlichen Gründen dankte Karl Heinz Knöchel 1984 ab. Danach wurde Gerd Thiebach Löschzugführer, vertreten durch Mathias Esser und Werner Steprath. Gerd Thiebach führte die Wehr bis Ende 2005, ab 1996 mit seinem Stellvertreter Stefan Kemper. Gerd Thiebach erhielt dafür am 09.12.2005 das silberne Feuerwehr-Ehrenkreuz. 2009 trat er in die Ehrenabteilung ein. Seit 2005 leitet Stefan Kemper mit seinen Stellvertretern Sascha Birschel und Holger Parmentier unseren Löschzug.
Im Oktober 2008 wurde unser Feuerwehrhaus abgerissen. Mit etwas Wehmut erinnerten wir uns an die Zeit der Eigenleistungen an dem Bau und an Dienst und Feiern „em Hüsje“. Doch die Freude auf den Neubau überwog. Das Jahr 2009 war sehr ereignisreich. Im Januar war der erste Spatenstich, im April die verspätete Feier der Grundsteinlegung und gleichzeitig das Richtfest des neuen Feuerwehrhauses. Im Oktober wurde es uns übergeben.
Unser Fuhrpark
Das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) ist das kleinste Fahrzeug aus der Gruppe der Löschfahrzeuge. Dieses 1987 in Betrieb genommene Fahrzeug kann eine Besatzung von 6 Mann aufnehmen. Die Beladung ermöglicht kleine Hilfeleistungen zum Beispiel bei Verkehrsstörungen (Ölspuren) und Sturmschäden. Ebenso ist es eine sinnvolle Ergänzung weiterer Einheiten bei der Brandbekämpfung. Das Fahrzeug ist klein, wendig und leicht. Der Fahrzeugführer benötigt die Fahrerlaubnis der Klasse 3 / B. Beim Löschzug Gohr wird das TSF auch für First-Responder-Einsätze eingesetzt. In naher Zukunft wird das TSF durch ein Mannschaftstransportfahrzeug ersetzt.
Das Löschgruppenfahrzeug (LF 16) ist ein echter Allrounder. Mit der Besatzung einer Löschgruppe (9 Mann) und einer umfangreichen Beladung ist für nahezu jeden Einsatz das erforderliche Gerät dabei. Hiermit kann ein effektiver Erstangriff eingeleitet werden. Das Fahrzeug hat eine Pumpleitung von 1600 Litern pro Minute. Im Fahrzeug befindet sich ein Löschwassertank mit 1200 Litern Inhalt. Damit kann – unabhängig von einer Löschwasserleitung – die Brandbekämpfung sofort eingeleitet werden. Dies hat sich schon oft bewährt. So können beispielsweise Folgebrände nach Verkehrsunfällen wirkungsvoll bekämpft werden. Apropos Verkehrsunfälle: Zur Beladung des LF gehört auch ein Stromerzeuger, Beleuchtungsgerät, ein Hydraulikaggregat und hydraulische Rettungsgeräte. Damit können eingeklemmte Personen aus Fahrzeugen befreit werden. Ergänzt wird die Beladung durch umfangreiches Handwerkszeug, eine Tauchpumpe und eine Kettensäge. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 12.000kg, somit ist die Fahrerlaubnis der Klasse 2 / C erforderlich. Nachfolger dieses 25 Jahre alten Fahrzeuges wird voraussichtlich Ende 2011 das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF 20/16), das zur Zeit durch den hauptamtlichen Abmarsch der Feuerwehr Dormagen genutzt wird.
Das Wechselladerfahrzeug (WLF) ist im Gegensatz zu den beiden oben beschriebenen Fahrzeugen, die der Stadt Dormagen als Träger der Feuerwehr gehören, im Besitz des Rhein-Kreises Neuss. Der Kreis trifft Maßnahmen zum Katastrophenschutz und stärkt die Einheiten der kreisangehörigen Städte und Gemeinden. Ergänzt wird das WLF in Kürze durch einen Abrollbehälter (Container) des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieser Abrollbehälter trägt den geheimnisvollen Namen „AB-MANV“. Unter einem MANV versteht man in der Fachsprache einen „Massenanfall von Verletzten und Betroffenen“. Zu einem solchen kann es durch einen Unfall (Bus, Zug, Straßenbahn) oder aber auch durch ein Feuer in einem großen Gebäude (Heim, Krankenhaus) kommen. Mit dem WLF und dem AB-MANV wirken die Einsatzkräfte aus Gohr in einem kreisweiten System mit. Zusammen mit den bekannten Hilfsorganisationen JUH, MHD, DRK und dem THW wird dann im Einsatzfall der so genannte „Behandlungsplatz“ zusammengestellt. Dieser kommt bei oben aufgeführten Schadenszenarien zum Einsatz. Aber auch vorsorglich kann der Behandlungsplatz bei Großveranstaltungen (Fußball-Länderspiele, Love-Parade, etc.) eingesetzt werden.
Unser Feuerwehrhaus
Rund 45 Jahre lebte der Löschzug Gohr in dem Feuerwehrhaus, das Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts für ein Feuerwehrfahrzeug gebaut wurde. Eng war es. Die Bausubstanz war schlecht und die im Laufe der Jahre immer strenger werdenden Schutzvorschriften konnten bei Weitem nicht erfüllt werden. Viele Dinge konnten improvisiert werden, aber die Sicherheit der Einsatzkräfte blieb auf der Strecke. Bereits Mitte der 80er Jahre wurde klar, dass dieses Feuerwehrhaus nicht sinnvoll erweitert und somit auch nicht dauerhaft erhalten werden konnte.
Ende 2007 gab es dann konkrete Planungen und bereits im Herbst 2008 wurde das alte Feuerwehrhaus abgerissen. Im Januar 2009 begann der Neubau des Feuerwehrhauses und nach nur neun Monaten Bauzeit konnte unser Haus bereits im Oktober 2009 seiner Zweckbestimmung übergeben werden. Neben einer Fahrzeughalle mit drei Stellplätzen, ist unser neues Haus mit einer Werkstatt, einem Lagerraum, einem Büro, zwei Umkleide- und Sanitärräumen ausgestattet. Herzstück des Ausbildungs- und Wachalltags ist der Multifunktionsraum mit angrenzender Teeküche. Dieser Raum ist mit modernen Unterrichtsmedien ausgerüstet und erlaubt Erwachsenenbildung auf hohem Niveau. Damit wir im Einsatzfall nicht erst einen Parkplatz suchen müssen, wurde hinter dem Feuerwehrhaus ein Parkplatz eingerichtet. Auf Bestreben der Feuerwehr kann dieser Parkplatz auch vom Personal der Schule genutzt werden. Weiterhin hat die Feuerwehr sich dafür eingesetzt, dass die Versickerungsrigole verschoben wurde und somit noch ca. 8 öffentliche Stellplätze an der Sporthalle realisiert werden konnten.
First-Responder ?!?
Bereits seit Juli 2003 beteiligt sich der Löschzug Gohr am First-Responder-System der Feuerwehr Dormagen. Was bedeutet „First-Responder“? Frei übersetzt bedeutet es „Notfallhilfe“ oder „Hilfe vor Ort“. Im Klartext bedeutet dies, dass speziell ausgebildete Einsatzkräfte mit einer besonderen Ausrüstung zur Verfügung stehen, um medizinische Hilfe zu leisten. Das steht nicht in Konkurrenz zum Rettungsdienst, der mit Notarzt und Rettungswagen anrückt, sondern ist eine sinnvolle Ergänzung.
Wenn der Disponent in der Leitstelle erkennt, dass bei lebensbedrohlichen Notfällen ein Rettungsmittel nicht direkt verfügbar ist, oder es die Einsatzstelle nicht schnell genug erreichen kann, werden die First-Responder alarmiert. Somit ist sichergestellt, dass bereits nach wenigen Minuten qualifizierte Helfer beim Patienten sind, die lebensrettende Maßnahmen einleiten können. Mitglieder der First-Responder-Einheit haben eine umfangreiche Zusatzausbildung genossen und ein Praktikum auf einem Rettungswagen absolviert. Sie haben die Pflicht zur ständigen Fortbildung. In Gohr sind wir in der glücklichen Lage, vier Mitglieder dabei zu haben, die auf Grund ihrer beruflichen Tätigkeit regelmäßig im Rettungsdienst tätig sind.2010-04-14